Equipment

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Keine Angst, Du musst nicht tausende Euro investieren, um gute Fotos von den Sternen und der Milchstraße zu machen!

Hier geht es nicht um Empfehlung einer bestimmten Marke oder Modell, sondern um eine grobe Übersicht, welche Ausrüstungsteile am Anfang Sinn machen.

1. Grundsätzliches

Viele Jahre war eine digitale Spiegelreflex-Kamera das Non-Plus-Ultra in der Fotografie, das hat sich jetzt in den letzten Jahren ein wenig geändert. „State-of-the art“ sind derzeit spiegellose Kameras, die deutlich schneller und leiser sind. Aber Achtung, selbst mein lieber Freund Florian hat nach dem Umstieg auf die spiegellose Nikon Z-Serie nur bedingte Verbesserungen gesehen und gemerkt.

Hinsichtlich der Bildqualität ist der Unterschied zur bisherigen Generation mit Spiegel eher zu vernachlässigen. Nicht vernachlässigen sollte man aber die Tatsache, dass seit der EInführung der Spiegellosen die DSLR deutlich im Preis gefallen sind, so zwischen 20-50% je nach Modell. Das kann natürlich eine Kaufentscheidung beeinflussen.

Ich habe in meinem Fotografenleben viele Kameras (genauer „Bodies“) besessen, ebenso viele verschieden Objektive. Vieles habe ich wieder getauscht, manche Teile haben mich (fast) die ganze Zeit begleitet und kommen auch heute noch zum Einsatz.

Ein gutes, lichtstarkes Objektiv wird eben nie alt. Natürlich wird die Technik immer besser, zB die Autofokus-Motoren kleiner, leiser und deutlich schneller. Aber die optische Leistung eines Top Objektives bleibt immer Top!

Daher habe ich mein Equipment Schritt für Schritt ausgebaut, mit günstigeren Objektiven begonnen und je nach finanziellen Möglichkeiten dann eben getauscht und bessere Teile angeschafft.

Sehr hilfreich ist dabei die Plattform „Willhaben“, wo für jede Marke viele Objektive und Bodies angeboten werden – und das oft in sehr gutem Zustand zu günstigen Preisen.

2. Die Kamera (Body)

Ein wichtiger und preisbestimmende Faktor ist bei Bodies mit Spiegel (neben dem Modell und dem Zustand) die Anzahl der Aufnahmen.

Schaut Dir, wenn Du Dich für einen bestimmten Body interessierst, vorher im Internet an, für wie viele Auslösungen der Spiegelmechanismus und der Verschluss ausgelegt sind (bei meiner Nikon D810 sind das 200.000 Auslösungen), um beurteilen zu können ob Du nicht – auch wenn optisch schön - eine „alte Kraxn“ mit vorprogrammierter teurer Reparatur kaufst.

Jeder seriöse Verkäufer gibt schon in der Anzeige die Anzahl der Auslösungen an, man kann diese recht einfach mit einem der letzten gemachten Fotos auf der Seite https://www.camerashuttercount.com auslesen lassen.

Es werden immer „Schnäppchen“ mit ganz vielen Auslösungen angeboten, davon würde ich eher die Finger lassen. Ein Body mit 10-20% der maximalen Auslösungen ist perfekt, der läßt sich dann auch gut wieder verkaufen, wenn Du noch weitere 50.000 Auslösungen „draufradelst“.

Folgende Features würde ich jedenfalls empfehlen:

  • Namhafter Hersteller (Nikon, Canon, Sony, ...)
  • Vollformat (FX)
  • Großes Display (klappbar wäre super)
  • SD-Speicherkarten-Slot
  • Originalzubehör und OVP vorhanden

Ebenfalls solltest Du das Gefühl haben, dass die Kamera gut und sicher in der Hand liegt und alle Bedienelemente (Knöpfe & Räder) gut erreichbar sind.

Da bei Astro-Aufnahmen die Kamera eigentlich immer auf einem Stativ steht, ist es nicht ganz so wichtig, ob die Kamera auch gut in der Hand liegt. Viel wichtiger ist es, dass Du alle wichtigen Knöpfe und Auswahlräder (eventuell auch mit Handschuhen) gut bedienen kannst. Features wie beleuchtete Tasten und ein Klappdisplay machen das Fotografen-Leben deutlich einfacher...

3. Objektive

Prinzipiell rate ich Dir eher gleich zu lichtstarken Objektiven zu greifen (Blende 2,8 oder darunter). Ja stimmt, die sind etwas teurer, aber der Anwendungsbereich ist unglaublich viel größer. Der Sensor deiner Kamera ist nur sehr klein, und je mehr Licht das Objektiv einfangen kann, desto flexibler bist Du beim Fotografieren!

Am Beispiel eines Nikon 50mm sieht man das recht gut:

Listenpreis für das Nikkor 50mm/1,8 ist € 229,- für das Nikkor 50mm/1,4 derzeit mit € 449,-- beinahe das doppelte. Aber glaub mir, der  Unterschied in der Lichtstärke von 1,8 zu 1,4 das zahlt sich aus...denn das ist DOPPELT SO VIEL LICHT dass hier auf Deinen Sensor kommt!

Ich persönlich habe sehr gute Erfahrungen mit Festbrennweiten im Astrobereich gemacht, obwohl ich zB auf Reisen lieber flexibler mit Zoom-Objektiven unterwegs bin.

Am Anfang würde ich  im Bereich Nightscape (also zB Milchstraße mit Landschaft) mit einem lichtstarken 20mm-Objektiv (2,8 oder lichtstärker) beginnen. Das ist ein tolles Objektiv und sehr vielseitig einsetzbar. Nach und nach kannst Du dann mit einem noch größerem Weitwinkel (zB 14mm) nach unten oder einem 35mm bzw 50mm nach oben ergänzen. Ein gutes 20mm/2,8 ist preislich mitterweile auch überschaubar und bietet Dir einen perfekten Einstieg in die Nightscape-Fotografie.

Für den Deepsky-Bereich (also zB Sternenhaufen, Nebel und Galaxien) ist alles etwas komplexer und technisch aufwändiger. Hier würde ich mit zumindest 200mm/2,8 beginnen. Damit kann man fantastische Aufnahmen machen. Ich hatte bereits ein Nikon 70-200mm/2,8 als mein Standard-Zomm im Koffer und habe damit begonnen. Später ist das durch ein Sigma 300mm/2,8 ersetzt worden.

Hinsichtlich der Objektivauswahl solltest Du folgendes grundsätzlich bedenken:

  • Du arbeitest eigentlich immer mit möglichst offener Blende, daher sollte die Abbildungsleistung schon sehr gut sein.
  • Da bei Astro immer manuell fokussiert wird, ist die Qualität und vor allem die Geschwindigkeit des Autofokus egal (ausser du willst das Objektiv auch in anderen Situationen einsetzen)
  • Der Fokusring sollte leichtgängig sein und einen möglichst langen Fokusweg haben. Herumfummeln im Millimeterbereich beim Fokussieren kostet wirklich Nerven!
  • Bildstabilisatoren schalten wir bei Astro grundsätzlich ab - muss das Objektiv also auch nicht zwingend mitbringen, was sich preislich deutlich niederschlägt.
  • Grundsätzlich gilt daher aus meiner Erfahrung: man kann tolle Objektive mit hervorragender Bildqualität um vernünftige Preise bekommen, wenn man 1-2 Objektivgenerationen zurückgeht und gebraucht kauft. die neuesten Modelle der Hersteller sind meistens mit  vielen Funktionen ausgestattet, die man bei der Astrofotografie garnicht braucht - aber bezahlen muss!

4. Stativ & Köpfe

Bem Stativ kann ich aus Erfahrung nur raten nicht zu sparen!

Eure ganze Planung, Bildaufbau, Equipment zur Location schleppen und dann wackelt das Stativ und Eure Fotos sind alle unscharf - muss nicht sein.

Ich habe auch mit einem Alu-Stativ um 90,-- begonnen und war sehr schnell frustiert. Ehrlich gesagt vergesst alle Stative unter 100,-- und gebt lieber um die 200-300,-- aus. Dieses Stativ habt Ihr aber dann viele Jahre und werdet viel Freude damit haben.

Ich bin schlussendlich bei einem Carbonstativ gelandet, leicht, kompakt und seeeehr stabil.

Bei den Beinen ist es echt Geschmackssache, ob Ihr Drehverschlüsse oder Clips bevorzugt, ich finde die Drehverschlüsse praktischer.

Genügend Gewindeanschlüsse können nicht schaden (Zubehör wie Powerbank etc. anschliessen), ebenso eine gute gepolsterte Stativ-Tasche, in der man das Stativ aufbewahren und transportieren kann und wo man auch etwas Zubehör unterbingen kann.

Beim Stativkopf gibt es auch viele Möglichkeiten. Fast alle Stative werden mit einem Kugelkopf geliefert, das reicht auch mal für den Anfang. Gut wäre ein Kugelkopf mit einem grossen Durchmesser (größer 30mm), dann ist der auch stabil. Wenn er eine "Friction Control" hat (haben ab Werk nur teurere Stative wie zB Rollei) ist das absolut perfekt: der Widerstand des Kugelkopfes wird dabei eingestellt und man kann danach die Kamera beliebig verstellen ohne Angst haben zu müssen, dass das ganze System kippt  - eine perfekte Lösung wie sie zB mein Rollei T7S Mark III bietet.

Ich bin bei meinem Hauptstativ zu einem Getriebeneiger von Manfrotto gewechselt, der ist zwar etwas schwerer aber super zum feinjustieren. Auch Geschmachssache.

Ein guter Kompromiss sind sogenannte 3-Wege-Neiger, sehr stabil und auch 3 Achsen gesondert einstellbar.

5. Astro-Nachführungen

Irgendwann landet jeder, der sich mit Astrofotografie beschäftigt und seine Bilder auf ein höheres Niveau bringen will, bei einer Nachführung. Denn eines ist bei Astrofotos eben ein Grundprinzip: Je mehr Licht auf den Sensor kommt, desto besser!

Was macht eine Nachführung jetzt aber eigentlich?

Wenn Ihr die Kamera am Stativ aufstellt werden die Sterne ab ca. 25-30sec. Belichtungszeit (bei Brennweiten über 20mm schon früher) verwischt, bei längeren Belichtungszeiten zu Spuren - ein Effekt hervorgerufen durch die Erdrotation, den wir uns ja bei sogenannten "StarTrails" zu Nutze machen.

Bei Aufnahmen von statischen Objekten (zb der Milchstraße) ist das  natürlich nicht optimal. Daher versuchen wir um möglichst viel Licht einzufangen und somit ganz viele Farben und Details zu erhalten, möglichst lichstarke Objektive (Blende 2,8 oder niedrger) zu verwenden und die Belichtungszeit möglichst lange zu gestalten - aber irgendwo ist eben Schluss.

Eine Nachführung gleicht einfach gesagt durch einen eingebauten Motor die Erdrotation aus und bewegt die Kamera in selben Tempo wie die Sterne sich weiterbewegen. Somit ist der Fokus auf das Objekt immer gleich - und plötzlich werden Belichtungszeiten von 2 Minuten oder mehr möglich und wir können sehr viel Licht einfangen. Zusätzlich ergeben sich bei so einer langen Belichtungszeit wieder sehr niedrige ISO-Werte, was natürlich der Bildqualität durch reduziertes Bildrauschen zu Gute kommt.

Fazit: Hier kommt GAAAAAANZ viel Licht auf den Sensor, das Rauschen wird deutlich reduziert und man erhält unglaublich viele Details und Farben!

Gute und kompake Nachführungen bekommt man schon ab ca. 250,-- bis 300,--, allerdings sind die zwar klein und kompakt, das Gewicht ist aber zumeist mit ca. 2,5kg begrenzt (sonst leiert der Motor aus und das Teil wird defekt). Für Weitwinkel der Milchstraße, Panoramas oder auch ein kurzes Tele kein Problem. Wer allerdings "Deep Sky" fotografieren will (Galaxien, Nebel etc.) muss sich eine größere Nachführung anschaffen, die das höhere Gewicht der benötigten großen Teleobjektive tragen kann. So eine Nachführung kommt dann schon mal auf über € 1.000,-- ...

6. Zusatz-Equipment

Folgendes hat sich gut bewährt und habe ich auch über die Zeit angeschafft:

  • Funk- oder Fernauslöser
  • Ersatzakkus Kamera und Equipment
  • Ersatz-Speicherkarte(n)
  • Diverse Kabeln in einer Tasche
  • Stirnlampe, für Nachtaufnahmen am besten mit Rotlich-Funktion
  • Taschenlampe (Rotlicht)
  • Multitool für div. Schraubarbeiten
  • Reinigungsutensilien (Microfasertücher, feuchte Brillenputztücher, Blasebalg,...)
  • Eine kleine Videoleuchte mit einstellbarer Farbtemperatur & Helligkeit 

Ich verwende wenn ich unterwegs bin für meine Ausrüstung am liebsten einen Fotorucksack. So läßt sich die Ausrüstung auch weitere Strecken gut tragen, die Ausrüstung ist gut geschützt und je nach Modell ist auch noch Platz für Zubehör oder eine (Regen-)jacke.

Zusätzlich habe ich (zumeist wenn ich nur die Kamera mit einem Objektiv für spezielle Aufnahmen zb Milchstraße mitnehme), eine mittelgroße „Bauchtasche“, in der ich alles verstauen kann und die Hände für die Kamera frei habe - würde ich sonst nie tragen, aber zum Fotografieren super praktisch! ;-)

 

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